Sonne, Schweiß und Stachelbeereis – Jenseits von Millionen

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Das Jenseits von Millionen war bis letzten Dienstag ein Festival, das ich nur vom Hörensagen kannte, in Form von alljährlichen Schwärmereien von Freund_innen und befreundeten Bands, die dort gespielt haben. Aus diesem Grund habe ich nicht gezögert, der Einladung von Henry in Stellvertretung von Ruhmsucht zu folgen. Ruhmsucht war Medienpartner und mit einem Stand auf dem Jenseits vertreten. O-Ton Henry: „Es wird wohl eine entspannte und tolle Sause.“ Zum Glück habe ich schon bei mehreren Festivals in der Aufbauzeit geholfen und wusste deshalb, dass die Tatsache, zur Ankunft nur einen oder zwei Menschen vor Ort zu kennen, kein Nachteil, sondern eher eine Bereicherung und eine Chance darstellt. Und so kam es dann auch: Frühstück, Abfahrt gegen 12:00, Ankunft irgendwann am frühen Nachmittag, Mittag verpasst… Verantwortliche aufspüren, zackige Führung übers Gelände und den Zeltplatz, bereits emsig arbeitenden Menschen „Hallo“ sagen und sich vorstellen, Namen hören und gleich wieder vergessen, danach sich nach Werkzeug und Material für den Standaufbau durchfragen. Zeitplan des Teams: 18:00 Feierabend, danach Eis essen gehen. Am Ruhmsucht-Stand sieht um 18:00 noch nix nach Feierabend aus, also bleiben wir zurück und bauen weiter. Eine Stunde später dann doch Schluss, Aufräumen und geschlossene Abfahrt in die Unterkunft im Nachbarort. Gibt’s jetzt Abendbrot? Nein, erst einmal an den See, gibt ja genug Seen in der Umgebung. Den mir bekannten Menschen war nicht so nach See, also hat der Rest die Autos gefüllt. Die Fahrt dauert länger als gedacht. Ich: „Tut’s nicht der See direkt hier im Ort?“ Einer von denen, dessen Namen ich wieder vergessen hatte: „Der Schwansee ist viel besser, vertrau mir!“. Benni sollte recht behalten. Da war ich nun mit all den fremden Menschen… Gesprächsthemen ausloten, mehr erfahren, Fragen stellen, Antworten geben. „Sind ja eigentlich alle ganz nett“, dachte ich mir — baden gehen verbindet. Zurück in der Jugendherberge endlich Abendbrot an einer langen Tafel mit allen anwesenden Organisator_innen und Helfenden. Während man ständig Fragen wie „Kann ich bitte die Butter haben?“, „Wo ist das Salz gerade?“, „Gibt’s noch Aufstrich?“ hörte, musste man aufpassen, das eigene Essen nicht zu vernachlässigen, schließlich war es ein langer Tag und die Tage darauf sollten ähnlich werden.

Nächster Tag: 8:00 aufstehen, Frühstück, Tagesbesprechung, danach Arbeitsbeginn auf der Burg. Die Sonne prallelt erbarmungslos, alle schwitzen auf ein Ziel hin: Freitag 15:00 Einlass. Doch bis dahin sollte es noch es noch ein beschwerlicher Weg werden. Unzählige Getränkekisten in den Burg-Keller wuchten, Bierfässer auf dem Gelände verteilen, Zeltplatz herrichten und im Eilverfahren sämtliche Deko-Elemente drapieren. Für alle noch zu erledigenden Aufgaben gibt’s für jede_n Helfer_in Tagespläne und eine Tafel, an der die noch zu erledigenden Aufgaben inklusive der verantwortlichen Person aufgeschrieben sind — zum Glück sitzen die meisten Namen auf der Burg endlich. Tatsächlich funktioniert diese ganze Planerei wunderbar und es kam nach meinem Empfinden nie wirklich zu großem Stress oder Planlosigkeit. Jede_r weiß, was noch offen ist, kann sich gegebenenfalls daran anschließen und es anschließend auf der Tafel durchstreichen — welch befreiendes Gefühl.

Am Donnerstag ändert sich nicht viel. Langsam hat sich alles eingespielt, man werkelt, streicht, hilft routinierter. Donnerstag ist Durchstreichtag.

Der Tag des Festivals: Alle werden noch mal ein bisschen aufgeregt und bereiten sich auf die Gäste vor. Es fühlt sich etwas komisch an, plötzlich so viele fremde Menschen auf der Burg zu sehen, war man doch bisher mit den Helfer_innen unter sich. Ständig „lauscht“ man, ob es den Besucher_innen gefällt, schaut nach dem Thermometer an Bierstand #1, da das Kühlaggregat am Tag vorher in der Hitze Probleme gemacht hat, oder verbringt die Zeit am eigenen Stand und hofft auf viele „Schaulustige“. Spätestens die freudigen Gesichter, die sich auf dem Festivalgelände tummeln, das klatschende Publikum und die gutgelaunten Bands lösen die absolute Glückseligkeit in mir und in allen anderen Helfer_innen aus.

Rückblickend war das Jenseits von Millionen Festival eine entzückende Erfahrung, die vor allem den Menschen zuzuschreiben ist, die man im Laufe der fünf Tage in der brandenburgischen Provinz kennenlernen durfte. Ich bin nächstes Jahr auf jeden Fall gerne wieder als Helfer dabei.

 

Hier findet ihr Martins Portfolio: Toni Propeller Musikfotografie

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