„Wir in Bergen haben Bock auf geilen Scheiß“ – Kakkmaddafakka

„Wir haben richtig Bock und wollen das für den Rest unseres Lebens machen!“ – und das merkt man Kakkmaddafakka auch an. Die Band aus Bergen in Norwegen übertrifft sich selbst immer wieder und ist für ihre gigantischen Parties auf der Bühne bekannt. Wir haben uns mit Pål und Stian in Leipzig getroffen und ein bisschen über Freundschaft, das Reisen und ihre Heimatstadt geplaudert.

 

Ruhmsucht: Herzlich Willkommen in Leipzig! Leider spreche ich kein Norwegisch.

Pål: Kein Problem, wir sprechen auch kein Deutsch. Aber du kennst bestimmt tausend norwegische Worte, es ist ziemlich ähnlich zu Deutsch.

 

Ruhmsucht: Ich habe gehört, dass es dem Dänischen ziemlich ähnlich ist. Ich habe Familie in Dänemark, also verstehe ich vielleicht doch ein bisschen was Norwegisches.

Pål: Oh ja, es ist sehr ähnlich zu Dänisch!

 

[Es folgt eine längere Diskussion um die Eigenheiten der dänischen und norwegischen Sprache, die wir euch an dieser Stelle ersparen wollen]

 

Ruhmsucht: Ich habe euch 2012 auf dem Hurricane Festival und 2014 auf dem Dockville Festival gesehen.

Pål: Dann hast du ja jetzt schon einen ziemlich guten Eindruck von unseren Konzerten..

 

Ruhmsucht: Ja, habe ich! Es war beide Male eine riesige Party und ich war super begeistert. Vor allem das Konzert auf dem Dockville, es ist einfach eine wunderschöne Atmosphäre da im Hafen.

Stian: Es ist toll da, wir sind diesen Sommer wieder da. Ich glaube schon zum vierten Mal..

 

Ruhmsucht: Mögt ihr Hamburg?

Pål: Wir lieben Hamburg und wir lieben das Dockville. Es ist ein großer Teil unserer Bandgeschichte. Die haben uns 2010 gebucht und danach… Boom! Das war ein riesiger Boost für uns, auch auf Social Media. Danach sind wir von 10.000 Fans auf 20.000 Fans gesprungen. Total verrückt.

 

Ruhmsucht: Ihr habt ja auch ein paar mehr Songs als noch vor sechs Jahren. Ich mag „Galapagos“ vom KMF Album total gern. Es ist so verträumt und macht Fernweh. Gibt es irgendeine spezielle Erinnerung, die ihr damit verbindet?

Pål: Axel hat den Song auf dem Land geschrieben, während er am Reisen war. Vielleicht ist das die Erinnerung.

Stian: Er wollte Sex in den Feldern haben, also hat er einen Song darüber geschrieben. Er hat so einen sexuellen Unterton.

Pål: Jap, stimmt. Und es geht um Beziehungen, um Scheidewege, wenn Beziehungen sich zu mehr als Verliebtsein entwickeln.

Ruhmsucht: Ihr seid als Band ja schon ziemlich lange zusammen.

Pål: Zwölf Jahre, um genau zu sein.

Ruhmsucht: Das ist eine Menge. Ihr kennt euch sicher in- und auswendig.

Pål: Wir beide kennen uns schon seit wir zwei Jahre alt sind.

Ruhmsucht: Vor allem, wenn man im Leben die großen Veränderungen miteinander durchmacht.

Pål: Er ist schon Vater!!

 

Ruhmsucht: Wie schafft ihr es, über so eine lange Zeit so enge Freunde zu bleiben?

Pål: Das Geheimnis ist, sich gegenseitig Raum zu lassen, denke ich. Ich weiß, wenn er grade ein Arsch ist und denke mir dann nur „Okay, er ist grade ein Arsch und ich muss ihm einfach ein bisschen Raum geben“.

Stian: Wir sind aber auch gut darin, einander anzuschreien. Also uns laut gegenseitig mitzuteilen, dass wir grade Arschlöcher sind. Gleichzeitig sind wir aber auch supernett zueinander und machen uns ständig Komplimente. Trotz all dem shit, den wir uns geben, müssen wir uns nahe bleiben. Das ist der Schlüssel.

Pål: Der Schlüssel zum Erfolg ist es, offen zu sein und nicht zu viel shit in sich hineinzufressen.

Stian: Wir wollen aber trotzdem immer freundlich zueinander sein. Wir haben da dieses neue Ding, es heißt „Joy“. Weil wir uns auf den Spaß fokussieren wollen, weißt du? Wir sagen „Ja, das hat gesuckt, aber wir wollen Spaß haben“.

 

Ruhmsucht: Ein bisschen Optimismus kann ja nie schaden, vor allem wenn ihr auf Tour seid und den ganzen Tag miteinander verbringt.

Pål: Die Zeit im Bett ist komplett privat.

Stian: Wir haben Vorhänge. Wenn du im Bett bist, bist du komplett alleine.

 

Ruhmsucht: An welche Zeiten eurer Freundschaft erinnert ihr euch, wenn ihr bei einem Bier zusammensitzt?

Pål: Das Coole zwischen uns ist, dass wir uns an jedem einzelnen Schritt des Weges gekannt haben. Vom Kindergarten bis jetzt. Wir sind miteinander gewachsen. Ich erinnere mich an Stian als er 13 war und er erinnert sich an mich als ich 13 war. Ich war ein Arschloch mit 13. Und diese ganze Zeit bis heute… Es ist schwierig, eine einzelne Erinnerung herauszupicken. Die coolsten Dinge in meinem Leben habe ich mit Stian erlebt.

Stian: Gilt ebenso für mich.

Pål: Der erste Auftritt in Deutschland war toll. Als wir auf dem Melt aufgetreten sind.

Stian: Ja, das war was Besonderes. Wir hatten den Tag vorher in Berlin gespielt, aber auf dem Melt war das Publikum so riesig – 2.000 Leute und es war ein mega Erfolg. Wir sind backstage gegangen und haben nur rumgeschrien und realisiert „Das passiert grade wirklich“.

Pål: Es war das erste Festival für uns und sie hatten Freibier. Wir öffneten einfach den Kühlschrank und es war so „Wow, können wir das nehmen?“ und bekamen beer bongs und es war so verrückt. Wir waren 19 oder 20. Dieses Konzert war einer der definierenden Momente für uns als Band, denke ich. Als wir da spielten, entschieden wir uns „Das ist geil und wir wollen es für den Rest unseres Lebens machen“.

Stian: Das war immer schon das Ziel. Vom dritten Auftritt an.

Pål: Ja, aber zu sehen, dass das wirklich passiert… Das war das erste Mal.

Stian: Das zweite Konzert in Spanien war auch geil. In Barcelona.

Pål: Ja, das war verrückt.

Stian: Wir wussten nicht viel über das Land und wir wussten nicht, ob wir da überhaupt eine Chance haben würden. Irgendwelche random Booker wollten uns einfach herholen. Und es war komplett voll und sie kannten alle unsere Lieder.

Ruhmsucht: Barcelona ist ja sowieso eine tolle Stadt. Reist ihr gerne, wenn ihr nicht auf Tour seid?

Beide: Nein.

Pål: Wir hassen es, zu reisen.

Stian: Wir reisen zu viel, das ist das Problem. Wir würden es wahrscheinlich mögen, wenn wir es nicht so oft tun müssten.

Pål: Ja, wahrscheinlich. Aber wenn wir nach Hause kommen… Es ist so schön, Zuhause zu sein. Du hast deinen ganzen Kram da und saubere Klamotten nach wochenlangem Reisen mit einem stinkenden Koffer.

Stian: Dein Koffer stinkt?

Pål: Ja, wegen der dreckigen Unterwäsche von gestern.

Stian: Aber du hattest doch diesen neuen Trick mit der Seife.

Pål: Ja, aber das hat nicht richtig funktioniert. Es ist eigentlich ein guter Reisetrick. Wenn du lange unterwegs bist, hast du deine verschwitzten T-Shirts und kannst sie nicht jeden Tag waschen. Wenn du sie in eine Plastiktüte tust und ein Stück Seife mit reinlegst, bekommst du nicht diesen ekligen Koffergeruch, weißt du?

Stian: Es ist super. Ich habe an deinen Klamotten mit Seife gerochen und es hat überhaupt nicht gestunken!

Pål: Ja, das geht raus als Tipp an alle Reisenden da draußen. Wir reisen viel und es ist anstrengend.

 

Ruhmsucht: Euer Zuhause in Bergen ist also eure Top-Reisedestination.

Stian: Manchmal ists auch scheiße, wenn es viel regnet. Aber wenn die Sonne scheint, gibt’s keinen schöneren Ort auf der Welt.

 

Ruhmsucht: Ihr habt ja auch wunderschöne Natur da oben.

Pål: Es ist so toll. Wenn du aus dem Fenster guckst, siehst du Berge. Und wenn du 35 Minuten läufst, siehst du keine Menschen mehr. Super.

Stian: Das Zentrum ist umgeben von sieben Bergen. Es ist wie im Märchen. Du solltest mal hinfahren! Aber geh im Mai oder Juli.

Pål: August ist auch perfekt.

Stian: Aber geh nicht im September oder Oktober.

Pål: Es ist dunkel und regnerisch. Nicht schön.

 

Ruhmsucht: Sommer ist die beste Zeit für Skandinavien, oder?

Stian: Ja, du kannst auch im Schnee hinfahren, aber nur an bestimmte Orte. Bergen ist dafür nicht so geeignet.

Pål: Bergen ist scheiße im Schnee.

 

Ruhmsucht: Hat euch die Musikszene in Bergen inspiriert?

Stian: Ich denke ja. Es gab einige Künstler, die damals groß geworden sind, Kings of Convenience zum Beispiel. Wir wussten also „Okay, es ist möglich für Leute aus Bergen, es zu schaffen und groß zu werden“. Klar, dass das geholfen hat.

Pål: Was auch cool ist, ist dass du so nah an den Leuten bist. Wenn du in einem musikalisch interessierten Freundeskreis bist, wird irgendwer Stian kennen. Und dann kann ihn jemand ansprechen und sagen „Hey, ich bin ein großer Fan, können wir mal was zusammen starten oder würdest du dir mal meine Musik anhören“

 

Ruhmsucht: Das Netzwerk dort muss jungen Musikern unheimlich helfen.

Pål: Weißt du, Bergen hat momentan den größten Star Europas. Kygo, kennst du sicher. Er kommt aus Bergen. Stian kennt ihn.

Stian: Ich habe ihn einmal getroffen. Er war mal mit meiner Freundin zusammen.

 

Ruhmsucht: Uhh, gemischte Gefühle also.

Stian: Ach, es ist okay. Ich hab damit was zum Angeben. Er war nicht gut genug, ich schon. (lacht) Er hat jetzt auch wieder eine Freundin, alles gut. Er scheint ein ziemlich netter Typ zu sein.

Ruhmsucht: Es ist wirklich schön, mit inspirierenden Menschen zusammen zu sein, die dir das Gefühl geben, dass du Dinge bewegen kannst.

Stian: Ja und wir helfen einander in Bergen. Wir sind da ziemlich gut drin. In Oslo ist es das Gegenteil, es ist eher wie ein Wettbewerb.

Pål: Stian hat mit diesem einen Typen gespielt, der grade ziemlich groß ist – Stian hat ihm dabei geholfen, so groß zu werden. Und ich hab das gleiche mit anderen Bands gemacht und denen gezeigt, wie man mit gewissen Dingen umgeht. Wir kennen Oslo nicht besonders gut, aber unser Eindruck ist, dass die Leute da einfach nicht so Bock auf geilen Scheiß haben wie wir.

Stian: Doch, die haben schon Bock. Aber sie werden neidisch. Wir sind super glücklich, wenn Kygo Erfolg hat, so „Yeah Kygo, das ist cool!“. Aber wäre er in Oslo, wäre es mehr so „Mh, ja okay, kein großes Ding“. Wir geben miteinander an, aber Oslo ist mehr ein Wettbewerb.

 

Ruhmsucht: Das kann die Inspiration ja auch ziemlich killen.

Pål: Klar tut es das! Und man sieht das auch. Wo sind die ganzen Acts aus Oslo, weißt du? Wo sind sie? Ich sehe sie nicht.

Stian: Wenn du eine Liste der zehn besten norwegischen Bands machen würdest, hättest du vielleicht eine oder zwei aus Oslo und fünf oder sechs aus Bergen.

 

Es klopft, ein Typ kommt rein.

 

Pål: Alles klar, Zeit fürs Abendessen.

 

Interview: Lina Hansen

Fotos: Henry W. Laurisch

 

Kommentar verfassen