„Zwischen uns knisterte eindeutig nicht nur das heiße Feuer des Kamins“ – Ry X

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English Version of the Interview with Ry X below. *

 

„Hey Darling“ – so begrüßt mich Ry X, Träumer und Oberschnuckel in der Kantine am Berghain. Dass ich ab diesem Moment hin und weg bin von dem bärtigen Surferboy mit der Flüsterstimme muss ich nicht weiter erwähnen, oder? Also ich bin hin und weg, wirklich.

Dass dieser Beitrag ab dem ersten Wort ein Mädchenbeitrag ist, muss ich wohl auch nicht weiter erwähnen. Jungs, für euch heißt es jetzt stark sein, wenn ihr durchhaltet und weiterlest könnt ihr sicher einiges für euer Leben lernen.

Hinter Ry X steckt allerdings noch viel mehr als nur sein unfassbar gutes Aussehen, doch dieses „mehr“ zu entdecken, nachdem man sich erstmal Hals über Kopf in ihn verknallt hat, ist schwierig. Denn von Wolke 7 aus weitere Seiten eines Menschen zu ergründen, ist, hinter der Verblendung der rosaroten Brille, alles andere als leicht.

Ruhmsucht: Du hast in der Vergangenheit an so vielen verschiedenen Orten gelebt: Australien, Costa Rica und Kalifornien waren nur ein paar deiner Stopps. Einer deiner berühmtesten Songs trägt aber den Namen „Berlin“. Warum hast du ihn geschrieben?

Ry X: Herzschmerz. Ich hab ihn nicht nur über die Stadt geschrieben, sondern auch als ich hier war. Ich hab in einer alten Wohnung gelebt. Es war eine sehr verwirrende Zeit für mich. Ich war sehr zerstreut.

Ruhmsucht: Etwas, das du an Berlin liebst, alle anderen jedoch hassen?

Ry X: Oh, ich glaube das ist gar nicht möglich, also dass das wirklich niemand außer mir liebt. Ich denke das ist gerade das schöne an Berlin, jeder liebt unterschiedliche Dinge. Ich liebe viele Dinge an dieser Stadt, aber irgendwer anders liebt genau dies bestimmt auch. Ich glaub am meisten lieb’ ich die Freiheit. Ich mag das brechen von Regeln.

Ruhmsucht: Etwas das du an Berlin hasst, alle anderen jedoch lieben?

Ry X: (lacht) Mhmm… das ist der Winter! Ich ertrage die Kälte einfach nicht. Ich bin zu sehr
an die Sonne gewöhnt.

Ruhmsucht: Welche Plätze auf der Welt sind es noch wert, dass man einen Song über sie schreibt?

Ry X: Das ist stark von dem Gefühl abhängig, das du hast, wenn du dort bist. Ich glaube jeder Ort der Welt kann ganz besonders sein, für jeden Menschen. Ich habe eine sehr starke Verbindung zu dem Ort aus dem ich komme, in Australien, und ich bin fest davon überzeugt, dass jeder Ort für irgendeinen Menschen eine ganz eigene, besondere Bedeutung hat.

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Ruhmsucht: In einem Interview, das ich in Vorbereitung auf mein Gespräch mit dir gelesen hab‘, stand, dass Sex eine deiner größten Schwächen ist. Steht das „X“ in deinem Namen für Sex?

Ry X: Oha! Hab ich das wirklich gesagt? Ach du…
Aber das ist eine lustige Frage… also, nein, wirklich nicht, es steht nicht für “Sex”.
Wie wärs mit der nächsten Frage? (er kichert verschmitzt in der Hoffnung, dass es jetzt weniger schmutzig weitergeht…)

Ruhmsucht: Warum hast du damit angefangen Tantra auszuprobieren?

Ry X: Ohhhhhh! Also wirklich, diese Fragen bringen mich noch sonst wo hin… (lacht)
Ich glaube ich mag einfach die Idee von solchen Dingen, ich mag es sehr, sie zu studieren und neue Sachen kennenzulernen. Tantra wird von vielen Menschen außerdem falsch verstanden. Es geht nicht nur um Sex. Es geht viel mehr um Energie die durch den Körper fließt.

Ruhmsucht: Bist du ein schmutziger Junge?

Ry X: Sind wir das nicht alle? Sind wir das nicht alle wenigstens ein bisschen? Ich glaube, dass das Teil unser aller Leben ist. Genauso wie jeder auch eine dunkle Seite hat, aber wenn du mit dieser anderen Seite deiner Persönlichkeit ehrlich bist und mit ihr umgehen kannst, dann kann sie auch zu etwas sehr Schönem werden.

Ruhmsucht: Hast du schon mal Drogen genommen?

Ry X: Ja, ich habe mal Drogen ausprobiert. (lacht)
Ich glaube, dass Drogen dich an Orte bringen können wo man spannende Sachen erlebt. Ich denke aber nicht, dass man sie die ganze Zeit nehmen sollte. Aber alles hat irgendwie eine Berechtigung – also auch Drogen. Drogen können eine Chance sein, sich kurz von einer bestimmten Sache zu entfernen, dich von ihr frei zu machen, dann kommt man zurück und muss durch die Sache irgendwie so durch, ohne Drogen.

Ruhmsucht: Deine Musik ist ja schon sehr romantisch, ruhig, ehrlich. Spiegelt sich deine Persönlichkeit in deinen Songs wieder oder gibt’s auch Momente in denen du richtig ausrastest?

Ry X: Ich finde eigentlich, dass ich in manchen Songs ausraste. In manchen Liedern versuche ich Dinge auszudrücken, über die ich irgendwie nicht reden kann. Die Musik ist da eine Art Flucht für mich.

Ruhmsucht: Ist es aber nicht irgendwie langweilig immer nett zu sein?

Ry X: Denkst du ich bin immer nett? So ist es eigentlich überhaupt nicht. Wenn es etwas gibt, das ich absolut nicht möchte, dann sag ich das immer sehr deutlich. Aber trotz dieser Deutlichkeit kann man doch liebevoll bleiben. Du kannst immer noch „Nein“ sagen, und das mach‘ ich täglich sehr oft. Ich glaube, es ist viel schwerer immer nett zu sein als ständig rumzumotzen.

Ruhmsucht: Du sagst du bist eine sehr romantische Person. Welche Rolle spielt Hass in deinem Leben?

Ry X: Gar keine. In keinem Leben sollte Hass eine Rolle spielen. Obwohl ich eine dunkle Seite habe, aber mit der verbinde ich keinen Hass.

Ruhmsucht: Wer oder was sind die „Vampire(s)“ in deinem Leben?

Ry X: (lacht) Dieser Song handelte von einer Frau. Einer Liebe, oder besser einer Beziehung die nicht wirklich gesund war. Wir haben uns gegenseitig ausgesaugt. Wir haben voneinander gezehrt, um am Leben zu bleiben. Aber wenn jeder vom anderen zehrt um am Leben zu bleiben dann sterben irgendwann beide… und so war das dann mit unserer Beziehung.

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Ruhmsucht: Fühlst du dich frei?

Ry X: Ja. Immer. Weil es meine eigene Entscheidung ist. Ich denke, dass wir alle diese Entscheidung treffen können. Wir sind dazu in der Lage unseren Verstand und unsere Herzen zu befreien, wenn wir möchten.

Ruhmsucht: Du hast mal gesagt, dass ans Meer zu kommen für dich bedeutet, dahin zu kommen wo die Welt aufhört. In welchen Momenten würdest du die Welt gerne mal anhalten?

Ry X: Oft! Aber das ist dann nicht so, dass ich möchte dass die Welt aufhört sich zu drehen. Die kann sich ruhig weiterdrehen – damit bin ich okay. Es fühlt sich dann nur kurz so an als müsste ich kurz aus der Welt austreten. Ich bin immer in so viele Dinge involviert, hab‘ viel zu tun und so. Ich kann diese Dinge, wenn ich sie tue, immer nicht richtig betrachten. Ich wünsche mir dann einen Schritt von ihnen wegmachen zu können um sie aus der Distanz zu bewerten.

Ich werde bald zum Beispiel für einen Monat nach Australien gehen. Ich werde aufhören zu touren. Berlin, L.A., London und Paris verlassen und in diese kleine Stadt in Australien gehen die ich Heimat nenne. Ich werde nur surfen, Yoga machen und mein Telefon ausschalten. Ich werde an einem Ort sein an dem ich mich sehr mit der Erde verbunden fühle und das liebe ich.

Ruhmsucht: Wer oder was ist ein Einhorn für dich?

Ry X: Ein Einhorn ist etwas das… mhmm… vielleicht nicht ganz real ist. Es ist etwas, das man nicht zu fassen kriegt.

Ruhmsucht: Wer ist dein bester Freund und warum?

Ry X: Ich bin ein bisschen so was wie ein einsamer Wolf. Aber ich hab eigentlich ne Menge Freunde. Ich denke, dass Jens vielleicht mein bester Freund ist. Er spielt in meiner Band. Wir verbringen unheimlich viel Zeit zusammen und haben diese besondere Verbindung. Er ist einer dieser Menschen mit dem ich den ganzen Tag still in einem Raum sitzen kann.

Ruhmsucht: Mal dich selbst!

Ry X: Wie soll ich mich denn selbst malen?

Ruhmsucht: Vielleicht mit einem Lächeln?!

Ry X: Oh, ja das wäre doch nett, oder? Das probier ich.

… während er das Bild malt, sagt er immer wieder: „Man das ist verdammt schwer sich zu malen, wie seh’ ich denn eigentlich aus?“.

Gut sieht er aus! Und Ladies: Zum Schluss hab ich noch einen kleinen Abschiedsschmatzer von Herrn Ry X ergattern können – ja, das sind manchmal die unverhofften Vorzüge, wenn man so tut, als könnte man ein Interview führen und würde sich mit Musik auskennen…

 

Interview: Helene Schreiner

Fotos: Henry Laurisch

 

 

 

 

* „The heat wasn’t just coming from the fireplace!“ – An interview with Ry X

We got Ry X – dreamer, surfer and owner of a beautiful beard – to answer our  interview questions. The blushing wasn’t just due to the heat from the fireplace, then…

„Hey Darling!“ – those are the first words out of Ry X’s mouth when I meet him at the ‚Kantine am Berghain‘. That I fell for him right there and then is only natural, surely? I now am totally head over heels for this bearded surfer boy with the husky voice….

(Disclaimer: This is a girly text from the very first word, which should be abundantly clear to everyone by now. Boys: be strong and continue reading – you might find a thing or two quite valuable for your own life!

Of course, there is much more to Ry X than his incredible good looks. To find out what that is, exactly, could be difficult in my infatuated state, but here goes:

Ruhmsucht: You lived in Australia, Costa Rica and California, among many other places. Yet one of your most famous songs is about Berlin. Why did you write this song?

Ry X: Heartache. I wrote it in Berlin actually, while I lived in an old apartment. The song is about things that weren’t the way I thought they were. It was a really unsettling time for me.

Ruhmsucht: Something you love about Berlin, but everybody else hates?

Ry X: Oh! I don’t think I can answer that. I think that is the beautiful thing about Berlin, everybody loves and hates different things. Well… I love so many things about Berlin, but I could imagine that other people love them, too. I guess I like the freedom, I like the breaking of rules. Berlin feels like it has less rules, and I really like that.

Ruhmsucht: Something you hate about Berlin, but everybody else loves?

Ry X: (laughing) Winter time. I really have a hard time with the cold because I’m so used to the sun.

Ruhmsucht: Which places in the world are also worth writing a song about?

Ry X: I think so much is about what you feel like when you are there. I think any place can feel special to people. I have a strong connection to my home in Australia. I really think that people can feel connected to any place, really.

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Ruhmsucht: In an interview I read about you, you said that sex is one of your vices. Does the “X” in “RY X” stand for sex?

Ry X: Oh, did I really say that? Oh my… No, the X doesn’t stand for sex. That’s a funny question. Ummm… yeah… maybe we can skip this question? (he giggles, hoping that next question won’t about sex…how wrong he is!)

Ruhmsucht: Why did you start experimenting with tantra?

Ry X: Ohhhhhhh!!! (laughing) That’s a really good question. I think it is the idea of it that I like. I like to get to know new things. It is misunderstood as well. Tantra is not only about sex. It is so much about energy, and the use of energy in the body.

Ruhmsucht: Are you a dirty boy?

Ry X: Aren’t we all? Aren’t we all a little? I think that is a part in all of us, just as everybody has a dark side. But if you can deal with that, and be honest about that, it is actually not dark anymore. It turns out to be something beautiful.

Ruhmsucht: Have you ever done drugs?

Ry X: Yes I have used drugs. (laughing)
Ummm… I think that drugs have the ability to take us to places where you can experience things. I don’t believe that you should take them all the time, and I think there is a place for everything. But they have to be used with a certain responsibility. It is the chance to distance yourself from something – for a moment – and then come back and get through with it without taking drugs.

Ruhmsucht: Your music is very romantic, quiet and honest. Does your music reflect your personality or are there moments where you just go crazy?

Ry X: I think in some of the songs I do kind of freak out. In some of the songs I’m trying to express what I’m not able to communicate otherwise. It comes out in my music then. Music is that kind of escape to me.

Ruhmsucht: Doesn’t being nice all the time get boring?

Ry X: Do you think I’m nice all the time? No, it’s not actually like that. If there is something I don’t want I’m very clear about it, but you can still be loving and say what you think. You can still say “no”. Everyday, I say “no” to so many things. In some ways I think it is actually way harder to be nice than not to be nice.

Ruhmsucht: You say that you are a very romantic person. Which role does hate play in your life?

Ry X: There’s no place for hate. I do have a strong dark side, but it doesn’t come with hate.

Ruhmsucht: What or who are the “Vampires” in your life?

Ry X: (laughing) This song is about a woman. It it’s about a love, a relationship, that wasn’t really healthy. We were draining each other. We needed to feed from each other to stay alive. But if the two of you are feeding from each other – you both die eventually.

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Ruhmsucht: Do you feel free?

Ry X: Yeah. Always. By choice. I think we have the choice all the time. We have the ability to be free in our minds and in our hearts, if we want to. There is an ability in us to free ourselves.

Ruhmsucht: Coming to the ocean means coming to the end of the world for you, you once said. In which moments would you like to stop the world for a while?

Ry X: Lots of times. I don’t think it is stopping the world as much as me stepping away from it. I’m okay with the world going on without me. Sometimes, I am involved in so many things, and I can’t really think while doing them. I have to take a step back and look at them from a distance.

I’m going back to Australia for a month, and I am leaving touring. Leaving Berlin, L.A., London and Paris behind. I’m going back to my tiny little town and I’m just gonna surf and do yoga and turn my phone off. I’m gonna be in a place were I’m more connected to earth and I love that.

Ruhmsucht: What or who is an unicorn to you?

Ry X: An unicorn is something that is maybe… not real sometimes. It is something you can’t always grab.

Ruhmsucht: Who is you best friend and why?

Ry X: I’m a bit of a lone wolf. But I have a lot of friends…Maybe Jens-he is in my band- is one of my best friends. We spend so much time together and we have a real brotherhood. He is that kind of friend you can sit quietly in a room with all day.

Ruhmsucht: Draw yourself!

Ry X: How am I supposed to draw myself?

Ruhmsucht: Maybe with a smile?!

Ry X: Oh yeah, with a smile. That sounds nice. I will try.

…while drawing himself, he keeps saying: „Man, it’s hard drawing yourself! How do I even look like?“

To answer his question: he looks damn good! And, lucky girl that I am, I even got a kiss goodybe from Mr. Ry X himself – yes, that’s one of the unexpected perks of pretending to be a bonafide interviewer to the stars and knowing all about music…

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