„Ich bin ein ganz normaler Typ mit ner Kaiserstüte voll mit Ponyzeug“ – Ein Interview mit den Bronies!

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Sitzt du bei nem Date und dir gehen die Gesprächsthemen aus, ist die Frage nach Hobbys immerhin eine einigermaßen akzeptable Lösung um ein neues Thema zu finden. Lesen, Gitarre spielen, Musik hören, Reisen, Fotografieren, Fahrrad fahren … sind populäre, aber müde Antworten, welche von jedem kommen könnten. Fragst du aber Sven Dahm nach seinen Hobbys, wird es interessanter. Bei ihm dreht sich alles um die Kinderserie My little Pony. Und mit Alles, meine ich wirklich ALLES um die Serie: Ihre Philosophie, die tiefgründigen Charaktere, die Musik, Ponykunst und ein ganzer Verein mit dem Motto Love and Tolerate, welcher sich aufgrund der Serie My little Pony – Friendship Is Magic – gegründet hat und einmal die Woche im Jugendfreizeitzentrum in Tempelhof trifft. Eingefleischte Fans bezeichnen sich als „Bronies“ – eine Zusammensetzung aus Brother und Pony. Der Trend kommt aus Amerika, wo er schon längst von vielen Menschen gefeiert wird. Seit einigen Jahren ist er auch in Deutschland angekommen und hat es sogar in die Piratenpartei geschafft – die machen, wenn es in Diskussionen zu hitzig wird, eine „Ponypause“. Ponysendungen sollen ja bekanntlich super zur Entspannung beitragen. Zur Recherche begab ich mich in My little Pony Chatrooms, las Leserkommentare, schaute mir Vereinstreffen an und bin sogar auf Pony Pornos gestoßen. Viele Leute, denen ich vom anstehenden Brony-Interview erzählte, meinten „das ist doch perverer Scheiß!“ und, ehrlich gesagt, wusste ich auch nicht was ich von den Bronies halten sollte. Also: dringender Interviewbedarf! Wir trafen den Brony- Vorstandsvorsitzenden Sven Dahm aka Cuddlypie auf ne Cola im Neuköllner K-Fetisch. Wir vertieften uns in die Welt pastellfarbenen Ponys, redeten über Einsamkeit, Freundschaft, Toleranz und erfuhren eine ziemlich große Portion Gesellschaftskritik. Kommt und taucht mit uns ein in der Welt der Bronies!

Ruhmsucht: Stell dich doch mal jemanden vor, der oder die noch nie etwas von Bronies gehört hat.

Sven: Ein kunterbunter Haufen von Leuten, die ein gemeinsames Hobby haben: Sie gucken allesamt die Fernsehserie „My little Pony – Friendship is magic“. Die kommen aus allen unterschiedlichen Gesellschaftsschichten. Unser Durchschnittsalter ist zwischen 16 und 26. Wir haben Physik- und Mathematikstudenten bei uns, wir haben Leute, die arbeiten bei der Bahn. Wir haben Leute wie mich, die arbeiten aufm Bau. Also aus den unterschiedlichsten Kreisen. Da ist natürlich viel Toleranz gefragt.

Ruhmsucht: Ab wann darf man bei euch eintreten?

Sven: Es gibt keine Altersbeschränkung. Das jüngste Mitglied ist ein 6jähriges Mädchen. Das ist die Tochter eines unserer Vereinsmitglieder.

Ruhmsucht: Wie ist deine Brony Geschichte? Wie wurdest du zum Brony?

Sven: Ich hatte mich ursprünglich für die Piratenpartei interessiert. Und da stand da was von „Ponypause“. Das bedeutet, dass sie sich zusammen, wenn es in Diskussionen zu hitzig wird, eine Folge von My little Pony – Friendship is Magic angucken um runterzukommen und sich dann entspannt wieder den hitzigen Punkten zu widmen. Ich dachte so „okay, die wollen ernst genommen werden, also guck ich mir das an.“ So bin ich ursprünglich darauf gekommen, My little Pony zu gucken. Ich habe vor drei Jahren knall auf Fall einen neuen Job in Berlin angefangen. Da kam ich hier her. Große Stadt, vorher Dorf, ich kannte keinen. Und dann habe ich gedacht, dass es ja noch mehr Menschen wie mich geben muss. Hab gesucht und gefunden: Ein Bronyforum. Damals mit lächerlichen 500 Mitgliedern. Heute sind fast 10.000. Und das innerhalb der letzten zwei Jahre. Da standen dann so ein paar Hanseln – mit denen habe ich mich über My little Pony unterhalten. Der eine war Student, der andere arbeitslos, völlig unterschiedliche Leute. Das fand ich interessant, wurde mir aber auch schnell zu langweilig. Ich dachte „okay, da muss mehr gehen!“ In Stuttgart hat sich der erste Verein gegründet weil die eine eigene Convention machen wollten. Das ist doch toll! Die Leute sind rechtlich abgesichert und es fühlen sich drei, vier Leute dafür verantwortlich und ziehen das auf.

Ruhmsucht: Und was hältst du von der Ponypause? Findest du das Sinnvoll?

Sven: Also ich glaube nicht, dass dadurch bei der Partei irgendwas besser funktioniert. Aber ich glaube, wenn die Gemüter erhitzt sind, ist eine 20 Minuten Pause, zum Abtriften in eine Phantasiewelt, vielleicht gar nicht so verkehrt. Um die Gemüter etwas zu kühlen. Ich brauche das auch! Komme 20:00 nach Hause, habe den Kopf voll. Für mich ist dann eine Folge von My little Pony wie ein Resetschalter. Jeder Mensch braucht sowas.

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Ruhmsucht: Der Jahresbeitrag eures Vereins kostet 108Euro.

Sven: Jahresbeitrag oder Monatlicher Beitrag von 9Euro.

Ruhmsucht: Und wofür ist der?

Sven: Der Verein hat natürlich auch Ausgaben. Versicherungen. Für Veranstaltungen, Rechtsschutz. Und auch Standardausgaben wie eine Internetseite, ein Ticketbestellsystem, wir haben sogar demnächst ein eigenes Brony-Büro! Das wird extra für uns renoviert. Keine Miete! Extra in meinen Wunschfarben!

Ruhmsucht: Dekadent! Wie sind die?

Sven: Ich hab dir was mitgebracht, da kannstes sehen!
(Holt Ponystuff raus: Lieblingsplüschpony „Rarity“, Buttons, Aufnäher, kleine Figuren und ein selbstgemaltes Bild von einem Fan. Aus dem ganzen Ponyzeug sind die Lieblingsfarben leicht zu erkennen: Weiß und zartes Lila. Die Farben machen Lust auf Eis!)

Ruhmsucht: Ich hab mir die Charaktere gestern durchgelesen. Rarity – das ist die Elegante!

Sven: Genau! Ich dachte erst, das ist der schreiende Mädchencharakter. Aber nein! Die löst ihre Probleme schon ziemlich kreativ.

Ruhmsucht: Warum ist Rarity dein Lieblingscharakter?

Sven: Ich mag, wie sie Probleme angeht.

Ruhmsucht: Und wie geht sie Probleme an?

Sven: Sie kann Probleme für sich ins Positive umkehren. Das find ich spannend! Ich konnte sie zuerst gar nicht leiden. Als sie in der ersten Folge, die ich sah, auftrat, wollte ich nicht weitergucken weil ich sie kacke fand. Dann ging es in einer Folge nur um sie. Da hab ich gemerkt, dass sie einen viel tieferen Charakter hat. Das ist bei den Ponys so toll! Die sind tiefgründig, haben viele Facetten, man lernt sie immer wieder neu kennen. Somit wurde sie mehr und mehr zu meinem Lieblingscharakter. Ich hab gemerkt, dass ich sie falsch eingeschätzt habe. Genau wie die meisten Menschen. Die gucken auf das erste, was sie sehen. Stecken es in eine Schublade und haken es ab. So will ich nicht sein.

Ruhmsucht: Das klingt als würdest du von Menschen reden wenn du von den Ponycharakteren sprichst. Vergleichst du die Ponys auch mit dir?

Sven: Notgedrungen, natürlich. In den sechs Hauptcharakteren spiegeln sich so viele Charakterzüge wider, dass sich jeder Mensch irgendwie darin selbst sieht. Jeder findet einen Charakter, mit dem er sich identifizieren kann.

Ruhmsucht: Ihr habt auch ein eigenes Maskottchen: Princess Pancake!

Sven: Genau!! Die ist gerade in Irland! Bei meinem Chef für Veranstaltungen. Wir haben jetzt nämlich eine Eventorganisation. Ein eigenes Team um Events eben zu planen. Und die ist mit dem Chef mitgereist und trifft jetzt auf andere Ponys.

Ruhmsucht: Ein Pony auf Weltreise!

Sven: Ein internationales Phänomen ist das! In England und Amerika ist das ganz krass mit den Bronies! Da gibt es sogar zwei eigene Radiosender extra für Bronies. Das ist ja unnormal.

Ruhmsucht: Und was läuft da so?

Sven: Die sind ja alle im Alter zwischen 16 und 26 Jahren – zu 60-65% männlich. Sind alle in der Phase, wo sie gerade ihre Kreativität entdecken. Da fangen die Leute zum Beispiel an, Musik zu machen. Und Musik ist bei My little Pony ein ganz großes Thema! Es gibt tausende von Musikstücken für die Serie. Das ist unglaublich! Ich habe selbst circa 35GB Musik ausschließlich von My little Pony.

Ruhmsucht: Warum, glaubst du, sind die meisten Fans männlich?

Sven: Das weiß ich nicht. Wahrscheinlich haben Frauen da noch mehr Vorurteile. Es ist total unverständlich. Bei den Polen ist das andersrum. Da sind 65% eher weiblich. Das kann auch ein Deutsches Phänomen sein. In der Anime- Szene hält es sich ungefähr die Waage. Aber die Kultur der Bronies ist ja noch jung, uns gibt es ja erst seit drei Jahren.

Ruhmsucht: Wie sieht so ein Fantreffen aus? Ich packe mein Lieblingspony ein und dann? Wie geht’s weiter?

Sven: Kommt drauf an was wir genau machen. Also wir gehen auch einfach mal nur bowlen. Oder machen ne Shoppingtour für Merchandise.

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Ruhmsucht: Friendship is magic – ein Teil des Titels der Serie. Warum ist vor allem bei Bronies Freundschaft magisch?

Sven: Ich bekomme Gruselattacken wenn ich mir anschaue, welche Werte in heutigen Kinderserien vermittelt werden! Aber Hasbro hat sich die Lauren Faust mit ins Boot geholt. Die hat auch schon die PowerPuff Girls gemacht. Und wer die PowerPuff Girls kennt, weiß, dass das nicht nur eine Sendung für 6jährige Mädchen ist. My little Pony hat neulich Dragonball Z verarscht. Da haben wir Tränen gelacht. Die vermitteln einfach Werte, die man heute so nicht mehr bekommt. Das sind grundlegende Lehren, welche viele nicht mal mehr vom Elternhaus mitbekommen.

Ruhmsucht: Zum Beispiel?

Sven: Wie man sich wann und wo in welchen Situationen zu verhalten hat. Wie man mit Freunden umzugehen hat. Viele Jugendliche kommen mit den einfachsten Verhaltensregeln nicht klar. Die lernen das nicht von zu Hause. Sowas vermittelt die Sendung.

Ruhmsucht: Warum ist es so schlimm sich aus Brony zu outen?

Sven: Wegen dem Schubladendenken der Menschen. Die denken „Okay, da ist ein 27 jähriger Typ, der in einer Bar Plüschponysachen auspackt. Das ist eine Kinderserie. Was zum Teufel macht der da?“ Und ich hab am Anfang genau so gedacht. Dachte, dass mir das gar nicht gefallen kann. Aber ich mach‘s trotzdem. Das schlimmste was ich mir hab sagen lassen war: „Ihr zieht euch doch solche T-Shirts an, damit kleine Mädchen zu euch kommen. Damit ihr die leichter entführen und vergewaltigen könnt.“ Das fand ich so gruselig! Da habe ich echt an den Menschen gezweifelt. Wie dumm und naiv die Leute sind. Wieviel Hass und Verachtung uns deswegen entgegen schlägt – das ist unglaublich! Wird auch gesellschaftlich immer in diese Richtung gezwungen. Puppen und rosa Sachen sind für Mädchen, Autos und blaue Sachen für Jungs. Diese erzwungene Zweigeschlechtlichkeit. Wenn jemand, wie ich, kommt, der sich für Mädchenspielsachen interessiert, wird gleich die Schublade aufgemacht „Der ist doch pädophil, krank, gestört, der gehört an die Wand gestellt und erschossen!“ Das finde ich gruselig! Warum schauen die Menschen nicht über den Tellerrand?

Ruhmsucht: Hier in Deutschland gibt es auch Cosplays für My little Pony

Sven: Wir arbeiten zusammen mit der Anime Manga Convention (AniMaCo). Das ist eine der größten Conventions mit so 7500 Gästen. Ich versuche gerade die Anime- mit der Bronyszene zu verbinden. Die Animeszene ist viel älter und reifer, da gibt es viel mehr Cosplayer, als bei den Bronies. Um die Szene ein bisschen wachsen zu lassen, versuche ich Anhänger der Anime-Szene für uns zu gewinnen.

Ruhmsucht: Wo liegt die Grenze zwischen „ich mag etwas“ und „ich identifiziere mich damit“?

Sven: Das kannst nur du für dich selber festlegen. Das kann dir keiner sagen. Wenn eine Sache, die du magst, zu einem Hobby wird, dann ist das ja schon mehr als normal. Dann schaust du in Foren, guckst dir Bilder an, hörst Musik davon. Du gehörst dann zu einem Kreis von Leuten, die ein bisschen mehr machen, als sich das nur anzugucken. Dann fängst du an dich damit zu identifizieren.

Ruhmsucht: Ist es nicht super ätzend, sich immer für das, was man mag, rechtfertigen zu müssen?

Sven: Nö. Ich halte das für mich so, dass ich selbst nicht den ganzen Tag mit einem Pony T-Shirt durch die Gegend laufe. Ich bin ein ganz normaler Typ mit ner Kaisertüte voll mit Ponyzeug (lacht)

Ruhmsucht: Hast du das Zeug immer dabei?

Sven: Nein, das wär ja krank!

Ruhmsucht: Ah, okay.

Sven: Es gibt aber bei uns ganz viele Leute, die immer mit My little Pony T-Shirt rumlaufen und das auch auf Arbeit tragen. Ich weiß aber wie die Leute darauf reagieren…. ich kann das bei mir aufm Bau als Bauleiter nicht machen. Ich kann es mir nicht leisten, die Integrität meiner Arbeitskollegen zu verlieren. Wenn 40 Leute für mich arbeiten, kann ich mir nicht leisten, dass die hinter meinem Rücken tuscheln. So blöd wie das ist. Ich kann nicht von allen Menschen abverlangen, dass sie toleranter werden sollen. Ich bin ja kein Messias.

Ruhmsucht: Weiß deine Familie eigentlich von deinem Hobby?

Sven: Die wissen das, ja. Aber bei mir geht das alles ja auch mehr professionell. Ich bin ja Vorstandsvorsitzender von einem Verein. Ich bin head of the lead einer Convention, gründe eine GMBH und und und.

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Ruhmsucht: Verdienst du damit Geld?

Sven: Ne! Ich verdien damit kein Geld. Das mach ich absichtlich nicht. Wie gesagt, ich hatte damals in Berlin niemanden, habe alles hinter mir abgerissen. Die Szene hat mich damals aufgefangen. Ich habe viele, tolle, interessante Menschen kennengelernt. Und das will ich ein bisschen zurückgeben. Da kann ich kein Geld für verlangen. Würde ich Geld dafür verlangen, wäre das unehrlich. Das geht nicht.

Ruhmsucht: Gibt’s ne Hierarchie bei euch?

Sven: Wir sind ne Diktatur. Ja normalerweise hat so ein Verein ja einen Vorstand, wo drei vier Leute entscheiden. Aber ich bin einer von den Leuten, die wissen sich durchzusetzen. Ich krieg dann auch was ich will. Ich habe dann zu 99% der Zeit die richtigen Argumente parat und kann alles totreden. Ich entscheide alles. Aber die anderen haben im Laufe der Jahre auch gemerkt, dass es funktioniert hat. Jetzt wird da schon gar nicht mehr dazwischen geredet.

Ruhmsucht: Kritische Stimmen vergleichen euch mit einer Sekte. Was sagst du dazu?

Sven: Das finde ich total lustig! WARUM? Ich finde kein logisches Argument dafür. Nicht eins. Wir sind eine Gruppe von Menschen. Bei uns muss man Geld bezahlen, wenn man im Verein sein möchte. Der Verein hat so 50 Mitglieder. Aber alle unsere Treffen sind grundsätzlich offen. Da kann jeder kommen. Da können auch Mütter mit Kindern kommen. Wir haben teilweise ganze Familien mit dabei. Also wir schließen Leute, die nicht im Verein sind, nicht aus. Das tut ja eine Sekte. Ich zieh auch nicht mit einem My little Pony Kreuz durch die Straßen und bekehre die Menschen. Sowas albernes. Ich kann das nicht nachvollziehen.

Ruhmsucht: Ein weiterer Kritikpunkt an euch ist, dass es Foren von My little Pony gibt, wo die Serie sexualisiert wird. Es gibt sogar Pornos von My little Pony. Glaubst du nicht, dass es spätestens an dem Punkt, wo man Kinderserien sexualisiert, schwierig ist die Grenze zur Pädophilie zu ziehen?

Sven: Das ist total einfach zu erklären: Regel 34. Die Bronies sind eine Internetcommunity. 90% von denen trifft sich über soziale Netzwerke. Und die Regel 34 besagt: Egal was existiert, es gibt davon Pornos. Es gibt von den Simpsons Pornos, genauso wie von Roseanne und den Teletubbies. Das ist teilweise eklig, krank und widerlich. Von My little Pony gibt es natürlich auch Pornos. Das ist völlig normal. Es gehört dazu. Ich kann es nicht ignorieren, es ist dabei. Es lässt sich auch überhaupt nicht verhindern.

Ruhmsucht: Ist das bei euch verboten?

Sven: Ja. Bei uns, offiziell auf Veranstaltungen schon. Es gibt natürlich immer ein paar Leute, die sich hinter vorgehaltener Hand darüber unterhalten. Aber nur solange da keine Kinder in der Nähe sind! Das wissen die auch selber, das haben die aus der Serie mitgenommen wie man sich zu verhalten hat. Die Vereinsmitglieder wissen auch, dass ich da richtig auf den Putz haue, falls da was kommt! Da bin ich rigoros.

Ruhmsucht: Schon mal einen My little Pony Porno gesehen?

Sven: Ja. Natürlich! Wenn du so tief in der Szene bist, kommst du da nicht dran vorbei. Ab einem bestimmten Zeitpunkt siehst du das auch. Das ist völlig normal. Das ist das Problem der Internetgesellschaft.

Ruhmsucht: Hast du Kinder?

Sven: Nein, ich werde mich hüten.

Ruhmsucht: Was muss man tun um aus dem Verein geschmissen zu werden?

Sven: Das hat sogar einer geschafft!

Ruhmsucht: Erzähl!

Sven: Der hat unsere Mitglieder bedroht. Über Skype und andere Netzwerke. Da haben wir ihn gekickt. Am Ende des Zahlungsjahres bekommt er noch einen gerichtlichen Mahnbescheid und dann ist das Thema durch. Wenn man da nicht hart durchgreift, denken andere Leute, dass sie sowas einfach machen können. Das funktioniert aber nicht. Manchmal muss man den Bösen spielen.

Ruhmsucht: Mal dich doch mal selbst. Gerne auch mit Pony!

Sven: Oh in sowas bin ich wahnsinnig schlecht! Aber ich kann mich ja mit meiner neuesten Errungenschaft malen…

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Ruhmsucht: Die da wäre?

Sven: Ich habe mir das größte Plüschpony, das es je gab, anfertigen lassen. Zwei Meter groß!

Ruhmsucht: Und das stellst du dann in deinen Vorgarten?

Sven: (lacht) Nein. Das lege ich dann in mein Bett, sozusagen als Kissen für Kopf und Füße.

Ruhmsucht: Und das ist dann auch die Rarity?

Sven: Nein diesmal nicht! Ich habe noch einen Lieblingscharakter: Chrysalis

Ruhmsucht: Und was macht sie aus?

Sven: Sie kann sich in andere Ponys verwandeln. Ist ein Gestaltwandler. Das würde ich auch manchmal gerne selbst können. Manchmal wäre ich gerne in einem anderen Umfeld wo ich mehr ich selbst sein kann. Und dann würde ich mich manchmal schon gerne in Menschen verwandeln, die dafür akzeptiert werden, was sie mögen. Oder mich in einen Beruf reinverwandeln, wo ich mein eigenes Ding machen kann ohne mich zu verstellen.

 

Ruhmsucht: Okay aber wir warten immer noch auf dein Selbstportrait, lieber Sven!

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Wir verlassen das Cafè mit gemischten Gefühlen. Für mich ist es wahnsinnig schwer sich vorzustellen, dass man sich mit einem Charakter aus My little Pony identifiziert, Teil eine Fangemeinde ist welche gemeinsam My little Pony Serien schaut und sich ab und zu auch einen Ponyporno reinzieht. Ich denke, das ist es für viele andere von uns auch. Durch Vorurteile und Unverständnis kommen dadurch schnell Vorwürfe und Hassgefühle gegen das Unbekannte „komische, kranke, perverse“ auf. Aber bei den Bronies herrschen unter den wachsamen Augen des Sven Dahm strenge Regeln. Solange man sich an diese Regeln hält, niemanden damit weh tut, bedrängt, beleidigt oder diskriminiert … ist das doch in Ordnung. Die Freiheit, das mögen zu können, was man will und dabei nicht als „Perversling“ zu gelten ist doch okay. Oder?

 

Interview: Diana Schieck

Fotos: Verena Ruschemeier

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