Zwei Korn, zwei Kümmerling! – Moabits Mondscheinspäti

An einem verregneten Abend in Moabit treffen wir Shaban in seinem Späti mit dem Namen „Moonshine“. Der Laden ist pink. Weihnachtsdeko überall. Shaban mittendrinn. Ursprünglich sollte hier jemand stehen, der uns über sein Leben als Rapper im Spätigeschäft erzählt, aber er hat uns sitzen lassen. Schade Marmelade, dachten wir und überredeten seinen Kollegen Shaban mit uns das Interview zu machen. Er rettet das Date und gewährt uns einen Blick abseits der Mainstreamspätis.

Ruhmsucht: Wer bist du und wenn ja wie viele?

Shaban: Ich heiße Shaban, komme ursprünglich aus Bulgarien, wohne seit zwei Jahren in Deutschland und arbeite seit sechs Monaten hier im Späti.

 

Ruhmsucht: Wie kamst du auf den Späti?

Shaban: Über eine Freundin und den Besitzer hier, die kenne ich seit zwei Jahren.

 

Ruhmsucht: Nenne drei Merkmale, die einen guten Spätkauf ausmachen.

Shaban: Gute Mitarbeiter, verschiedene Biersorten und guten Wein! Viele unserer Kunden sind auf der Suche nach gutem Wein, vor allem aus Frankreich oder Italien (Shaban schnappt sich einen Bio-Weißwein und führt sie uns vor). Dieser hier geht besonders oft über die Theke. Ist ein guter deutscher Biowein. Beim Bier ist es Augustiner hell aus München (lacht).


 

Ruhmsucht: Das Pfeffiregal ist leergeräumt und die letzte Packung Kondome ausverkauft. Wann kommt es zu solchen Zuständen?

Shaban: Ohja, beim Oktoberfest zum Beispiel. Da vor allem Sternburg, Pilsator und FRED-Zigaretten.
 

Ruhmsucht: Beschreibe deine Stammkunden.

(Ein Kunde der im gleichen Moment ein Bier [es war Augustiner hell] kauft, fragt: „Bin ich typisch?“)

Ruhmsucht: Sind Sie denn öfter hier?

Kunde: Ja, ich komme jeden Sonntag her und kaufe mir zwei Bier.

Shaban: Ich kenne ihn gut (lacht). Meine Stammkunden kaufen ansonsten Matrix-Zigaretten und Korn, sind meist 60-jährige Männer. Ich höre hier sehr oft den Satz: „Für Stefanie und Nathalie möchte ich zwei Korn und zwei Kümmerling“. Ein anderer Stammkunde kommt jeden Tag drei- bis viermal und kauft ein Sixpack Becks.

 

Ruhmsucht: Was war das Verrückteste, das du und dein Späti je erlebt haben?

Shaban: In den letzten Monaten gab es viele Prügeleien im und vor dem Späti. Waren fast alles Stammkunden. Ich musste jedes Mal die Polizei holen, weil es so geknallt hat. Einmal gab es auch einen Radmarathon durch Berlin, da standen circa 40 Radfahrer bei uns im Späti. Das war lustig!

 

Ruhmsucht: Sonntagsschließung – Pro oder contra?

Shaban: Natürlich sind wir dagegen! Wir waren auch auf der Späti-Vereinssitzung und hoffen jetzt auf 2017, dass sich was an der Gesetzeslage ändert.

 

 

 

Ruhmsucht:  Wer ist dein größter Gegner?

Shaban: Wir haben keine Gegner. Wir sind mit allen cool. Wir haben unsere eigene Kundschaft und kommen nicht mit anderen Spätis in Konkurrenzkampf.

 

Ruhmsucht: Berlin ohne Spätis ist wie … ?

Shaban: Wir sprechen hier Türkisch, Arabisch, Serbisch, Bosnisch, Deutsch und Englisch. Spätis sind Kulturgut. Wenn sie uns genommen werden, verliert Berlin sehr viel Gutes. Keine Spätis, kein Berlin!

 

Ruhmsucht: Wogegen würdest du deinen Späti sofort eintauschen?

Shaban: Gegen den Alexanderplatz! (alle lachen)
 

Ruhmsucht: Was snakst du heimlich, wenn niemand hinschaut?

Shaban: Duplo und Bueno! (greift vor die Theke und wirft uns zwei Bueno zum Naschen zu) Naschen ist ungesund, aber Bueno ist mein Favorit!
 

Ruhmsucht: Zeichne dich selbst, Shaban!

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